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Friedrich Schaumann – Rothenburg o.d. Tauber (Mittelfranken)

Auszeichnung: 2000 – Lichtenfels

Laudatio

»Sich wenden, sich drehen, im Leben bestehen, so ist der gewürfelte Franke zu sehen« und so steht es auf dem Frankenwürfel geschrieben. Einer, der dieses urfränkische Credo zeit seines Lebens – von früher Jugend an – verkörpert hat, ist Friedrich, genannt »Fritz«, Schaumann. Mal eher fränkisch, deftig, laut und polternd, mal eher hintersinnig und leise – immer hat er bei passender Gelegenheit eine passende Bemerkung (mit Vorliebe aber einen passenden Vers) manchmal auch einen durchaus passenden Vers bei unpassender Gelegenheit parat.

Geschäftsmann, Künstler, Dichter, Schauspieler und Kommunalpolitiker – in all diesen Berufen hat er sein vielfältiges Talent bewiesen, nicht hintereinander, sondern immer alles zugleich, wie es seinem Naturell entspricht.

1927 in Rothenburg o. d. Tauber geboren, ist er seiner Heimatstadt bis heute kritisch treu geblieben. Schon in den 60er Jahren hat er im Fränkischen Anzeiger in der Kolumne »Touremichl« die Lokalpolitik in trefflicher Weise humoristisch-hintergründig und ironisch begleitet. Als Kommunalpolitiker mit Herz hat er ernsthaft engagiert und erfolgreich kommunalpolitische Arbeit geleistet, als Stadtrat und Kreisrat der trockenen Politik aber auch immer wieder heitere Seiten abgerungen.

Als erfolgreicher Kommunalpolitiker geachtet und ausgezeichnet, ist der Träger des Bundesverdienstkreuzes, der Landkreismedaille und der kommunalen Verdienstmedaille, auch als kreativer, geistvoller, witziger und profunder Kenner der Rothenburger Stadtgeschichte und auch als Mensch sehr geschätzt. Was dem Menschen Schaumann wichtig ist, hat er ganz bescheiden anlässlich seines 50. Geburtstags selbst in Verse gefasst:

»Und wos die G’schenker oubelangt,
do bin ich ouspruchsvoll;
doe wird nit nei in Beitl g’langt
und g’froocht, »wos kaaf ich woll«.

Schenkt mer e Bildle DIN A 5
Aans, wu Ihr halt grod habt von »Spiegel«,
»Stern«, »pardon«, von »Quick«,
mit Eiern Koupf neibappt;

Der Wildeschosch bindt’s zu en Buch
zun stete Ougedenke
dass unter Freind is Haufe gnu-ech,
wenn’s Freid und Freindschaft schenke!

Ein Multitalent wie er steht natürlich auch der bildenden Kunst nicht fern. Unvergessen bleibt er in Rothenburg deshalb auch als Erfinder und Erbauer der Brunnenfigur »Rothenburga«, mit der er den Kapellenplatzbrunnen am Faschingsdienstag 1980 dekoriert hat. Sein Talent, auch schwer erkennbare Zusammenhänge plastisch, drastisch und prägnant zu illustrieren, hat er bereits in frühester Jugend mit der Dekoration des Finanzamts in Rothenburg bewiesen: Das Schild »mittelalterliche Folterkammer « (ein Vorläufer des Rothenburger Kriminalmuseums) abgenommen und nächtens am Finanzamt angebracht, ließ ganz Rothenburg am nächsten Tag lesen: »Finanzamt Rothenburg mittelalterliche Folterkammer «. Ein Widerspruch, den nur ein echter Gewürfelter quasi über Nacht in nichts auflösen kann.

Um den Franken Schaumann zu erleben, braucht man nur ein Gespräch mit ihm zu führen und manchmal genügt schon, ganz ohne Worte, ein Blick in seine Augen, um den Schalk zu sehen, der ihn immer wieder antreibt. Unvergessen sind seine Auftritte auf der Bühne, z.B. in der Volksoper »Dorftheater «, und auch als Verfasser des Singspiels »Zeitsprung« hat er sich verewigt.

Wer so wandlungsfähig ist, wer so spielend die Rollenfächer wechselt, wer auf der Bühne der Kommunalpolitik ebenso zu Hause ist wie auf der Bühne des ernsten Schauspiels, wer so im Leben besteht wie es Fritz Schaumann tut, der ist ein Gewürfelter.

KARL INHOFER
Regierungspräsident von Mittelfranken