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Friedrich Bauereisen – Ehingen (Mittelfranken)

Auszeichnung: 1996 – Ebelsbach

Laudatio

Mit der Vergabe des Frankenwürfels an den früheren ökonom, Bürgermeister und Landtagsabgeordneten Friedrich Bauereisen wird der mit seiner fränkischen Heimat verbundene Mensch und Politiker geehrt, der ein »Gewürfelter« im echten Sinne des von Hans Max von Aufseß geprägten Wortes ist, der wie der Würfel viele Seiten hat und – durch abgeschliffene Ecken und Kanten – rollen und stehen kann, einmal Kugel spielen kann und ein andermal Kubus.

Urtyp eines aufgeschlossenen und Menschen zugewandten Franken, bereitet Friedrich Bauereisen seinen Mitmenschen immer wieder mit Schlagfertigkeit, Charme und Witz Freude. Bei vielen geselligen Veranstaltungen ist er ein geschätzter Gast, der als meisterhafter Geschichtenerzähler, insbesondere in der Figur des Wirtes »Holzeder « am Hesselberg, seine Zuhörer mit unnachahmlicher Mimik und Gestik begeistern kann. Bekannt und in der politischen Szene der Region äußerst beliebt sind die Schlachtfeste des Landwirtes Bauereisen, zu denen er seine Gäste einmal mit den Worten eingeladen haben soll: »Ich hoffe, dass Ihr und die Sau bis zum Schlachttag gesund bleibt«.

Bei diesen und anderen Veranstaltungen äußert sich Friedrich Bauereisen deutlich und in seiner unvergleichlichen schlitzohrigen Art immer wieder auch zur Tagespolitik, insbesondere wenn es um die Landwirtschaft geht. Das Problem der hohen Kosten für die Fleischbeschau in Bayern beleuchtete er beispielsweise einmal folgendermaßen: »Früher haben die Bauern am Mittwoch geschlachtet. Am Donnerstag hat der Organist Blut- und Leberwürscht gekriegt, am Freitag der Pfarrer eine Schlachtplatte. Wenn der Pfarrer am Sonntag gepredigt und der Organist Orgel gespielt hat, dann war das Fleisch in Ordnung und der Bauer konnte es essen.« Womit jede weitere Debatte wegen heftiger Lachanfälle der anderen Beteiligten beendet war.

Das Gesellige, Schlitzohrige, Hintersinnige und Humorige ist Friedrich Bauereisen auch bei der Wahrnehmung fränkischer Interessen als Landtagsabgeordneter in München zugute gekommen. In seiner unnachahmlichen Art hat er weniger viel geschrieben als telefoniert. »Herr Ministerialrat, san’s na so gut und schaun’s amol« war ein gern von ihm geäußerter Satz, der oft auch etwas in der Ministerialverwaltung bewirkt hat. Im Bayerischen Landtag ist Friedrich Bauereisen nicht als hitziger Debattenredner hervorgetreten, sondern hat mehr im Hintergrund gewirkt. Als guter Schafkopfspieler hat er im Kreise seiner Landtagskollegen aber manches für die Hesselbergregion »ausgekartelt«, was im üblichen parlamentarischen Geschäftsgang nicht erreichbar gewesen wäre. Nicht umsonst hat er im Maximilianeum den teilweise scherzhaft, überwiegend aber anerkennend gemeinten Titel »Vorsitzender des Arbeitskreises Sport und Spiel« getragen.

Neben seiner aufgeschlossenen und humorvollen Art zeichnet Friedrich Bauereisen im besonderen Maß seine Wendigkeit aus, sein Geschick, neue Situationen blitzschnell zu erfassen und instinktiv zu reagieren. So wird berichtet, dass er nach einem schweren Essen bei einer Ausschusssitzung kurz eingenickt war. Der mit ihm gut bekannte Abgeordnete Gastinger rief ihn daraufhin auf: »Die nächste Wortmeldung kommt vom Kollegen Bauereisen«. Ich schließe mich den Ausführungen meines Vorredners an« war der reaktionsschnelle Kommentar des aufgeschreckten und aufgeweckten Friedrich Bauereisen.

Bei aller Aufgeschlossenheit und Fähigkeit zum Ausgleich hat Friedrich Bauereisen auch die Fähigkeit zum Konflikt und hierin zeigt sich das Widersprüchliche seines fränkischen Charakters. Er ist durchaus bereit, deutlich und furchtlos seine Meinung zu vertreten, wenn Zeitgeist und Strömungen seinen festen Anschauungen vom Richtigen entgegenstehen. Als echter Franke ist er zu eigenwillig, um ohne Weiteres alles zu akzeptieren. Kennzeichnend dafür ist etwa, dass der gläubige Friedrich Bauereisen einmal während eines Konfirmationsgottesdienstes mit den lauten Worten die Kirche verließ: »Herr Pfarrer, das hier ist Politik und keine Verkündigung des Wortes Gottes«. Bezeichnend ist, dass viele Kirchgänger seinem Beispiel folgten.

Zusammenfassend wird das fränkische Wesen von Friedrich Bauereisen, sein ganzer Witz, seine Wendigkeit und seine Widersprüchlichkeit in einem Satz erkennbar, den er des öfteren äußerte: »Es kommt nicht darauf an, was man weiß, sondern was einem einfällt«.

Die Sympathie, die Friedrich Bauereisen aufgrund seiner fränkischen Art überall in der öffentlichkeit genießt, lässt sich kaum besser darstellen, als in einem Satz, der auf einer Geburtstagsfeler über ihn geäußert wurde: »Wenn ich mir einen Abgeordneten malen könnte, dann würde ich das Bild von Friedrich Bauereisen malen«.

KARL INHOFER
Regierungspräsident von Mittelfranken