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Anneliese Hübner – Rödental (Oberfranken)

Auszeichnung: 1988 – Kulmbach

Laudatio

Anneliese Hübner beschäftigt sich seit nunmehr über zehn Jahren mit der Mundartdichtung und hat sich dabei weit über ihre Coburger Heimat hinaus einen hervorragenden Ruf erworben. Die 1946 in Coburg geborene gelernte Großhandelskauffrau legt ausgesprochenen Wert darauf, als »echte Fränkin « zu gelten, was die Coburger in Wahrheit auch sind.

Fünf Buchveröffentlichungen in Mundart – als Lyrik, lyrische Prosa und volkskundliche Stoffsammlungen – sowie zahlreiche Rundfunksendungen legen eindrucksvoll Zeugnis über die vielfältigen Aktivitäten von Frau Hübner ab. Sogar als Hörspielautorin hat die engagierte Rödentalerin aus dem Ortsteil Einberg schon von sich reden gemacht. Obwohl das Coburger Land aufgrund seiner sprachlichen und kulturellen Eigenheiten von wissenschaftlichen Kapazitäten als eine der interessantesten Kleinlandschaften Frankens bezeichnet wird, gibt es hier – Fachleuten zufolge – kein besonders ausgeprägtes Heimatbewusstsein.

Es verwundert deshalb nicht, dass Mundart in Coburg einen anderen Stellenwert als etwa in Nürnberg oder in München einnimmt und häufig noch als Sprache der einfachen Leute angesehen wird. Hier versucht Anneliese Hübner gegenzusteuern, indem sie deutlich macht, dass Dialekt ein historisch gewachsenes Kulturgut ist, das es zu pflegen gilt. Mit ihren Büchern, z.B. »ölles hot sai Zait« (1979), »Souch’s fai net waite« (1983) oder »Loss desch fai net gereu« (1986), beweist Frau Hübner, dass Mundart nicht bloße Verballhornung der deutschen Sprache darstellt. Mit durchaus ernsten, kritischen und nachdenklich stimmenden Texten zeichnet sie in liebenswerter Weise die Schwächen, die Widersprüche und den ursprünglichen Witz »ihrer Coburger« nach.

WOLFGANG WINKLER
Regierungspräsident von Oberfranken